Ein zweites Ich

Wer hält es schon für möglich, dass man praktisch sich selbst im Leben trifft. Man begegnet zwar Menschen, die ähnliche Charakterzüge und Vorlieben haben. Aber ein Ebenbild seiner selbst? Unmöglich … oder doch nicht?

Bei diesem Menschen handelt es sich um keine geringere als die kleine Schnegge. Wobei man „klein“ schon nicht mehr sagen kann, da sie einen mega Entwicklungssprung gemacht hat.

Sie ist eine eigene Persönlichkeit geworden. Und ich erkenne mich in ihr so extrem wieder. Vorerst ist mir das nicht aufgefallen, aber seit dem meine Muttel erwähnt hat, dass die Schnegge auch sie sehr an mich erinnert, begannen meine Beobachtungen. Und es ist wirklich erschreckend, wie groß die Ähnlichkeit ist. Natürlich ist sie meine Tochter, aber das heißt ja noch lange nicht, dass sie meine Charakterzüge haben muss.

Deshalb nehme ich euch jetzt mit auf eine (wie ich finde intime) Reise in unser Wesen.

Zu schnell Aufgeben

Ich glaube es war das Erste, was mir aufgefallen ist. Als die Schnegge agiler wurde und die Welt um sich herum erkundete, probierte sie verschiedene Dinge aus. Beispielsweise an etwas hoch ziehen oder stehen wollen. Das dazu ein Zwischenschritt (Robben, Krabbeln) notwendig war, sah sie nicht ein und protestiere immer, wenn es nicht funktionierte. Manchmal schmiss sie sich vor Wut auf den Rücken und heulte was das Zeug hielt. Natürlich war das belastend, aber es lies mich auch schmunzeln. Das Verhalten erinnerte mich an mich selbst. Auch heute noch. Wobei ich das auf dem Boden schmeißen auslasse, höchstens innerlich.

Tagträumen

Man sieht es ihr direkt an, wenn sie am träumen ist. Der Blick wird weit, die Pupillen klein. Ich beobachte die Schnegge gerne dabei, denn es versetzt mich selbst in meine Kindheit zurück. Meist spielte ich in meiner eigenen Phantasiewelt, in denen ich absolut glücklich war. Ab und an blitzt so manche Situation von früher durch, die sich im hintersten Stübchen meines Kopfes eingebrannt hat. Wenn ich der Schnegge dann beim Spielen nur zusehe, habe ich das Gefühl, dass es ihr ähnlich ergeht.

Nähe und doch Abstand

Viele Männer kennen das Problem: Die Frau ist in einem missmutigen Zustand, möchte gekuschelt werden, aber doch auch nicht. Dieses Verhalten habe ich in letzter Zeit sehr häufig bei der Schnegge beobachtet. Sie hat sich weh getan, kommt angekrabbelt, ich nehme sie auf den Arm und kuschel mit ihr und sie schmeißt sich nach hinten. Manchmal drückt sie sich sogar vehement weg. Lege ich sie aber zurück auf den Boden, geht das Geschrei erst richtig los. Der Gesichtsausdruck verrät mir dann meist „Mama, das wollte ich doch auch nicht!“. Es ist ein schmaler Grat auf dem ich dann balancieren muss. Und auch mir geht es häufig so. Stoße ich mir den Zeh, will ich vorerst Abstand, dann aber doch Nähe und getröstet werden.

Räubertochter

Es ist eindeutig und lässt sich nicht leugnen. Sie ist eine kleine Räubertochter und hat es faustdick hinter den Ohren. Schon jetzt zeigt sie anderen Kindern, wo der Hammer hängt. Will sie etwas haben, mit dem ein anderer spielt, schnappt sie es sich einfach und düst davon. Auch ein Nein kennt sie nicht. Es muss alles ausprobiert werden, egal welche Gefahr dahinter steckt.
Ich hoffe sie behält sich noch lange das beflügelnde Gefühl, allem furchtlos entgegenzusteuern. Die Realität kommt noch früh genug.

Seitenschläfer

Schon im Krankenhaus wurde forciert, dass die Babys nicht nur auf dem Rücken, sondern auch auf der Seite und Bauch liegen. Zuhause war es dann so, dass wir sie eher seitlich lagerten (gestützt durch ein Nackenkissen, damit sie nicht auf den Bauch kippte), da sie so besser einschlief. Nachdem sie zu groß für das Nackenkissen war, schlief sie wieder mehr auf dem Rücken. Als sie aber mobiler wurde und auch im Bett herumrollte, legte sie sich häufig auf die Seite beim Einschlafen. Jetzt schläft sie prinzipiell immer auf der Seite, wie ich.

Und der Papa?

Einige werden sich jetzt fragen, was unsere Räubertochter wohl von ihrem Papa hat. Tja, die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn bis dato ist uns noch nichts aufgefallen. Aber die Reise der Charakterentwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen und somit habe ich immer noch die Hoffnung, dass das gelassene Wesen von Chris irgendwo Platz findet.

Das denkt Ihr über diesen Beitrag:

  1. Jenny

    Ja, das ist wohl wahr: Die kleine Schnegge ist der Abklatsch ihrer tollen Mama. Einen selbst fällt sowas nicht auf. Ich könnte jetzt nicht so genau sagen, was unser Krümel von mir hat. Dafür fällt mir oft auf, was er von seinen Papa hat. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass auch bei der Schnegge etwas vom Papa hängen geblieben ist.

    Auf diesen Kommentar antworten »

Lass uns Deine Meinung wissen!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.